Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Winterliche Hausarztromantik auf dem Lande

mit 10 Kommentaren

Bad Dingenskirchen, an einem Abend im Januar. Leise rieselt der Schnee und Hausarzt Uwe sitzt mit Frau und zwei Kindern im heimischen Wohnzimmer und… verbringt den Abend halt so, wie ein Familienvater einen langen, dunklen Winterabend verbringt.
Kurz nach der Tagesschau geht das Telefon.
Uwe hat nämlich Dienst. Da er als Hausarzt noch ganz neu im Geschäft ist, hat er ziemlich oft Dienst. Schließlich sind Dienste ja die beste Gelegenheit, neue Patienten zu aquirieren. Wenn sich herumspricht, dass der junge neue Doktor sich nicht zu fein dazu ist, auch abends mal rauszukommen, auch im Winter, auch bei Neuschnee, dann muss das ja ein toller Doktor sein, der Neue.
Omma Kasuppke hat Rückenschmerzen.
„Könnense mir nicht eine Spritze geben?“
Uwe schüttelt den Kopf.
„Spritzen sind out. Neue wissenschaftliche Studien haben erwiesen…“
„Aber Doktor Grunznickel hat mir immer die Spritze gegeben!“
„Ja wissen sie, inzwischen hat sich einiges geändert in der Medizin!“
Uwe schreibt ein Rezept aus.
„Von den Tabletten dreimal täglich eine nehmen. Die wirken mindestens genauso gut wie die Spritzen!“
Omma Kasuppke schaut verstört auf das Rezept.
„Und wo krieg ich die her?“
„Na, aus der Apotheke natürlich!“
„Aber die hat doch schon zu!“
„Die Sankt-Nimmerleins-Apotheke in Jotwede hat heute Dienst und da kriegen Sie Ihre Tabletten…“
Omma Kasuppke schüttelt den Kopf.
„Und wie soll ich dahin kommen?“
„Können Sie nicht jemanden schicken? Einen Verwandten? Oder einen Nachbarn?“
Die Patientin seufzt.
„Ich hab doch niemanden… Können Sie mir nicht doch die Spritze geben?“
Uwe zuckt mit den Schultern.
„Aber die Tabletten…“
„Die nutzen mir gar nichts, wenn sie in de Apotheke liegen. Warum können Sie mir denn keine Tabletten geben?“
„Weil ich das nicht darf. Medikamente abgeben ist nun einmal Sache des Apothekers!“
„Aber der kommt doch abends nicht raus!“

Geschrieben von medizynicus

25. Januar 2012 um 23:49

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Kollegen, warum wollt Ihr denn nicht aufs Land?

mit 13 Kommentaren

Frische klare Luft gibt’s da, viel Landschaft, Kegelbahnen, Schützenfeste und Feuerwehrbällt. Kinos zwar nicht, aber das ist eh out, holt Euch lieber eine Tüte Chips und ein paar DVD’s, dann stört sich auch niemand daran, wenn ihr zwischendurch mal weggerufen werdet, weil da aufm Land sollt Ihr ja richtige Landärzte werden, und die sind ja immer im Dienst, aber dafür gibt’s dann vom Bauern auch mal frische Wurst gratis, wenn gerade geschlachtet worden ist.
Und dann braucht ihr noch eine passende Frau, also ohne geht’s ja nicht. Also, natürlich nicht so eine Großstadttusse, die wo einen eigenen Beruf haben will, sondern so ein kerniges Mädel vom Land mit roten Wangen und… okay, weitere Details tun nichts zur Sache. Die hält Euch jedenfalls den Rücken frei und sorgt dafür, dass jeden Abend frische Hausmannskost auf den Tisch kommt, wenn Ihr um um halb acht aus der Praxis kommt und wenn dann Oma Kasuppke anruft, dann sagt Eure Frau der Omma dass es noch ein bisschen dauert bis der Doktor kommt, weil der muss jetzt erstmal zu Abend essen.
Ach ja, und Ihr, weibliche Leserinnen und Kolleginnen Ihr könnt ruhig mal weglesen – Ihr habt draußen auf dem Land nichts verloren. Werdet lieber Latte-Machiato-Mütter!
Werde ich zynisch?
Nee.
Nur wieder mal das alte Thema, diesmal aufgetischt von SpON.
p.p.s.:…und morgen erzähle ich Euch eine Story von Uwe und Marion – die sind ja bekanntlich Hausärzte hier bei uns in Bad Dingenskirchen, nicht unbedingt plattestes Land, aber immerhin Provinz!

Geschrieben von medizynicus

24. Januar 2012 um 17:28

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Washabich.de am Ende?

mit 8 Kommentaren

Vor ziemlich genau einem Jahr hat es begonnen: eine der besten und innovativsten medizinischen Internetprojekte seit langer Zeit.
Eine Gruppe von Medizinstudierenden bot unter www.washabich.de an, mediznische Befunde aus unverständlichem Fachchinesisch ins Normaldeutsche zu übersetzen.
In den folgenden Monaten konnten sich die Leute vor öffentlichem Interesse kaum retten: zahlreiche Beiträge erschienen in der überregionalen Presse, hinzu kamen mehrere Fernsehauftritte – zuletzt trat die Studentin Anja Kersten im Gespräch mit Hirschhausen im NDR auf.
Höhepunkt der Initiative war eine „lange Nacht des Übersetzens“ im Sommer 2011 – aber seitdem herrscht Funkstille.
Wer einen Befund zum Übersetzen „einreichen“ möchte, wird an das „Wartezimmer“ verwiesen.
Der letzte – übrigens sehr gute – Eintrag auf dem Blog stammt vom 28. Juli 2011.
Was ist seither passiert? Ist die gute Initiative Opfer ihres eigenen Erfolges geworden?
Es wäre schade.
Hoffen wir also auf einen erfolgreichen Reanimationsversuch!

Geschrieben von medizynicus

22. Januar 2012 um 07:22

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

Neues aus dem Berliner Selbstbedienungsladen

mit 2 Kommentaren

…was bisher geschah:
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ist eine Truppe, welche dazu da ist, um Geld, welches die zweihundertsoundsoviel Krankenkassen von ihren Mitgliedern eingesammelt haben auf diejenigen zu verteilen, werlche für dieses Geld etwas getan haben: nämlich die ambulant tätigen (also im Wesentlichen die Niedergelassenen) Ärzte. Oder „Leistungserbringer“, wie es im entsprechenden Jargon so schön heißt.
Es geht also darum, Geld zu verwalten. Und weil verwalten so schwere Arbeit ist, und auch das Verwalten verwaltet werden muss, zwacken sich die Oberverwalter davon in der Regel einen schönen Batzen ab: ein Vorstandsposten in einer der 17 Landes-KVen (jedes Bundesland hat eine, nur NRW hat zwei) gehört zu den bestdotierten Jobs, die ein Arzt in Deutschland bekommen kann.
Das ist die eine Seite.
…und jetzt die andere Seite derselben Medaille:
Da war mal eine rechtschaffende Hausärztin, irgendwo in Berlin, die hat sich verrechnet.
Und zwar zu ihren Ungunsten. Genau gesagt: bei der Abrechnung der von ihr erbrachten Leistungen ist ihr ein Zahlendreher unterlaufen, sie hat eine falsche Abrechnungsziffer angegeben.
Das heißt, sie hat Geld für eine Abrechnungsziffer bekommen, die sie nicht erbracht und damit auch nicht verdient hat – auf der anderen Seite ist ihr viel mehr Geld durch die Lappen gegangen für die Abrechnungsziffer, die sie eigentlich hätte angeben wollen und was ihr eigentlich zugestanden wäre. Klingt kompliziert, ist es auch. Im Endeffekt hat sie weniger Honorar angefordert als ihr eigentlich zustand. War, wie gesagt kein böser Wille sondern Unaufmerksamkeit. Die ganze Abrechnerei ist nämlich ziemlich kompliziert, vor allem dann, wenn man auch noch etwas anderes zu tun hat als zu verwalten, zum Beispiel Patienten versorgen oder so.
Was macht die KV?
Die sind ja nicht blöd!
Sie wittern Böses.
Sie klagen an. Sie prüfen nach.
Und – oh je! – sie kommen sie tatsächlich auf die Schliche!
Man entdeckt einen dreisten Betrug – immerhin hat die gute Kollegin ja Geld eingesackt für eine „Ziffer“, welche sie abgerechnet hat ohne die entsprechende Leistung zu erbringen!
So etwas muss natürlich bestraft werden!
Zunächst einmal ist eine saftige Geldbuße fällig. Dann muss sie natürlich die Kohle, welches sie sich unrechtmäßig erschlichen hat, wieder zurückzahlen.
Und das Honorar, welches ihr eigentlich zugestanden hätte… ja, Pustekuchen, selbst schuld, wenn man so blöd ist!
Wie gesagt, dass ist die zweite Seite der Medaillie.
Aber zurück zur Vorderseite:
Jeder der drei Vorstandsmitglieder kassiert derweil eine Summe von über zweihunderttausend Euro, die ihm zwar eigentlich nicht zusteht – aber weil man ja Vorstand ist kann man die Regeln schnell mal ändern.
Ist halt so.

Geschrieben von medizynicus

21. Januar 2012 um 17:18

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Paul und die Bürokraten

mit 3 Kommentaren

Anna hat da vorhin eine Geschichte erzählt, die mir irgendwie bekannt vorkommt. Denn merkwürdigerweise hat Paul ganz etwas ähnliches erlebt.
Wir erinnern uns: Paul ist der fleißige PJ-Student, der nicht nur ein bißchen zu oft (für meinen Geschmack) mit Jenny schäkert, sondern, das muss man ihm lassen, ein ziemlicher Blitzmerker ist.
Und jetzt ist er groß und stark geworden, hat sein praktisches Jahr beendet und sich fürs Examen angemeldet.
Das heißt, er wollte sich anmelden.
Aber irgendwie gab es ein Problem.
Völlig zerknirscht tauchte er eines Tages bei uns auf.
„Die wollen mich nicht zulassen!“
„Was ist los?“
Ich stelle einen Becher dampfende Krankenhauskaffeeplörre vor seine Nase.
„Die Papiere stimmen nicht!“
„Wie bitte?“
„Ich habe zu wenig gearbeitet!“
Nun kann man Paul ja eine Menge vorwerfen – dass er sich ein bißchen zu intensiv um gewisse Schwesternschülerinnen kümmert zum Beispiel – aber dass er zu wenig gearbeitet hat, das trifft nun wirklich nicht zu. Ganz im Gegenteil. Was er mir an Arbeit abgenommen hat, das geht auf keine Kuhhaut. Wenn ich das alles hätte selbst machen müssen…. Jungejunge.
„Also, jetzt mal Butter bei die Fische, wo drückt der Schuh?“
„Es geht um die Bescheinigung von der chirurgischen Ambulanz!“
„Aha?“
„Das war zu wenig!“
„Wie? Du warst doch einen ganzen Monat lang da!“
„Genau. Das war im Februar.“
„Und was sagen eure Vorschriften? Einen Monat lang müsst Ihr in der Ambulanz verbracht haben…“
„Dreißig Tage! Dreißig Tage lang ausschließlich und ganztägig in einer ambulanten Einrichtung. So ist die Formulierung!“
„Ja, und?“
„Der Februar hat aber nur achtzundzwanzig Tage!“
Ich schüttele den Kopf.
„Gib mal her!“
Er reicht mir das vom Chef unterschriebene Zeugnis. Anfangsdatum: Erster Zwoter. Letzter Arbeitstag: Achtundzwanzigster Zwoter.
Kurzentschlossen nehme ich einen Kugelschreiber und mache aus der letzten Zwei eine Drei.
„So, jetzt warst Du sogar zwei Monate in der Ambulanz!“
„Aber das ist doch… Urkundenfälschung…“
„Nix da. Willkommen im Leben! Ich hab doch genau gesehen, dass Du dich im März oft genug in der Ambulanz herumgetrieben hast!“
Paul sagt nix.
Aber sein Examen hat er trotzdem rechtzeitig ablegen können. Und was soll ich sagen? Natürlich mit Bravour bestanden!

p.s.: natürlich ist das hier alles erstunken und erlogen und in Wirklichkeit war es ganz anders! Ich werde doch wohl nicht in aller Öffentlichkeit eine Urkundenfälschung eingestehen!

Geschrieben von medizynicus

20. Januar 2012 um 13:45

Der Streik ist abgeblasen

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Alles klar, wir vertragen uns wieder!
Schmollend zwar, aber immerhin. Wir haben uns geeinigt.
Gestern noch wurde kräftig gepokert, und mit den Säbeln gerasselt. Die Kliniken haben sich vorsorglich nach Honorarärzten umgeschaut, aber auch da gab’s nicht viel Unterstützung.
Gestern gab’s dann eine weitere Verhandlungsrunde und heute früh war’s dann soweit:
Knapp drei Prozent mehr Gehalt gibt’s – also ein ganz kleines bißchen mehr als die Inflation uns wegfrisst – und die Sache mit den Diensten ist erstmal außen vor geblieben.
Die Klinikbetreiber schmollen und drohen mit Jobabbau…
Na, da schauen wir mal… :-) !

Geschrieben von medizynicus

19. Januar 2012 um 11:35

Das Netz trägt Trauer

mit einem Kommentar

Die englischsprachige Wikipedia bleibt heute schwarz. Die WordPress-Homepage ist ebenfalls heute mit schwarzen Fake-Zensurbalken verziert.
Es geht um das amerikanische SOPA („Stop Online Piracy Act“ – den entsprechenden Wikipedia-Artikel kann ich ja heute leider nicht verlinken…) und die damit einhergehende befürchtete Generalzensur des Internets.
Kein Thema für Medizynicus?
Direkt vielleicht nicht – ich binde aus Prinzip keine Videos ein, verlinke nur Seiten, die ich persönlich für astrein halte und halte mich mit Zitaten zurück.
Und die gute Nachricht: In Deutschland wäre ein SOPA-Gesetz wohl nicht möglich.
Ist Deutschland also eine Insel der Seligen?
Mitnichten!
Wir hatten die Vorratsdatenspeicherung, den Abmahnterror und Politiker, welche laut gegen das anonyme Surfen gewettert haben.
Heimlich Pornos gucken ohne dass irgendwer über die Schultern schaut, das geht hier schon lange nicht mehr. Anderswo schon? Weiß ich nicht.
Und muss man denn für das Recht aufs anonyme Porno gucken auf die Straße gehen?
Muss man nicht. Aber dann darf man sich auch nicht wundern, wenn irgendwann mal Wikipedia entgültig verschwunden ist…

Geschrieben von medizynicus

18. Januar 2012 um 22:19

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Spocht is Mocht – oder so ähnlich

mit 4 Kommentaren

In hohem Alter wurde Wintson Churchil einmal – so sagt es die Legende – von einem Reporter danach gefragt, was denn sein Geheimnis sei, bei so guter Gesundheit geblieben zu sein.
Woraufhin der britische Weltkriegsheld – so geht die Legende weiter – zunächst kurz an der Zigarre genuckelt und dann geantwortet haben soll:
„No Sports, Sir!“
Wie allgemein bekannt schleppte Churchil ein erhebliches Übergewicht mit sich herum und seine Lieblingszigarren tragen auch heute noch seinen Namen.
Neulich ist mir Churchils Reinkarnation begegnet. Der hatte zwar keinen Krieg gewonnen, war aber genauso übergewichtig. Immerhin, das Rauchen hatte er sich schon abgewöhnt.
Und Sport?
„geht nicht, Herr Doktor!“
Aber zwanzig Minuten am Tag reichen doch, zum Beispiel Gassigehen mit dem Hund…
„Ich hasse Hunde, Herr Doktor!“
Okay, es geht auch ohne Hund, also einmal am Tag ein Spaziergang in der frischen Luft…
„An meiner Straße, da donnern Tag und Nacht die LKW’s vorbei. Die Luft da, die könnense in Scheiben schneiden…“
Gut, aber irgendwo wird es doch wohl einen Park oder einen Wald geben…
„Da bin ich aber eine halbe Stunde lang mit der Straßenbahn unterwegs…“
Oder vielleicht mit dem Fahrrad?
„Nee, Herr Doktor, erstens kriech ich da Probleme mittie Gelenke und zweitens mittie Bronchien, weil so eine halbe Stunde lang durch den Abgasmief zu strampeln…“
Sehe ich ein. Wie wäre es mit Schwimmen?
„Wissense, wat dat kostet? Das städtische Hallenbad bei uns umme Ecke, das hamse vor ein paar Jahren dichtgemacht. Und im Wellness-Spaß-Erlebnisbad, da sind jedes Mal gleich zwölf Euro fuffzich fällich!“
Mit Fitness-Studio brauch ich wohl gar nicht erst anzufangen…
„Nee, Herr Doktor, da trau ich mich nich rein, zwischen all die fitten jungen Leute…“
Gar nicht so einfach! Ich kaue an meinem Bleistift und denke nach…
„Was empfehlen Sie mir denn jetzt, Herr Doktor?“
Und Churchill?
Immerhin hat’s der ja auch bis ins hohe Alter…
Die Legende war übrigens eine Ente. In Wirklichkeit hat Churchil vor allem in seiner Jugend enorm viel Sport getrieben, aber das brauche ich seiner Reinkarnation ja nicht unbedingt auf die Nase zu binden.
Der wird trotzdem nicht zum Sportler. Noch nicht einmal für zwanzig Minuten am Tag. Es geht einfach nicht: Ende der Fahnenstange.

  • Besonderer Gruß an Monsterdoc – unseren super-sportlichen Triathleten, der als Hausarzt vermutlich öfters solche Gespräche führen dürfte

Geschrieben von medizynicus

18. Januar 2012 um 08:36

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn, Gehört und gelesen

Cabazitaxel – kein Wundermittel

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Hier noch ein paar – zugegebenermaßen sehr trockene – Ergänzungsinfos zum im gestrigen Beitrag erwähnten Tumor-Medikament Cabazitaxel.

  • Cabazitaxel gehört zur der Gruppe der Taxane und wird halbsynthetisch aus einem Inhaltsstoff von Nadeln der Eibe hergestellt. Eingesetzt wird es fortgeschrittenem Prostatakrebs nach erfolgter Behandlung mit einer anderen Chemotherapie (Quelle: Wikipedia)
  • Es wird in der Regel gemeinsam mit Prednisolon als Infusion verabreicht.
  • Erstlinien-Chemotherapie ist nach wie vor Docetaxel.
  • In Studien wurde eine Verlängerung der Überlebenszeit um 2-3 Monate (genau: 2,4 Monate) nachgewiesen
  • Die Therapie ist mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, 18 Prozent der Behandelten in den Studien brachen die Behandlung ab
  • Die Liste der möglichen Nebenwirkungen ist lang und umfasst unter anderem die „üblichen“ Nebenwirkungen einer Chemoterapie: Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall – gefürchtet sind vor allem Blutbildveränderungen mit Erniedrigung der weißen Blutkörperchen und darauf folgender Sepsis (masiver Infekt, „Blutvergiftung“)
  • Die Kosten der Behandlung liegen bei 22000 Euro

Worum es bei der ganzen Sache geht?
Cabazitaxel ist irgendwie typisch für eine Reihe von neuen Medikamenten: Entwickelt für schwerstkranke Menschen in fast aussichtsloser Lage. Und es wirkt. Aber positive Effekt ist sehr begrenzt. Es hat massivste Nebenwirkungen. Und es ist extrem teuer.

Quellen:

  • Wikipedia
  • Info des Herstellers Sanofi-Aventis auf der Seite einer Selbsthifegruppe
  • Diskussion in einem deutschsprachigen Forum
  • Deutsches Ärzteblatt mit weiteren Links
  • Arzneimittelkommision der deutchen Ärzteschaft – die ausführlichsten Detailinformationen

    Geschrieben von medizynicus

    17. Januar 2012 um 21:32

    Veröffentlicht in Gehört und gelesen

    Haben Patienten Rechte?

    mit 8 Kommentaren

    Ein Chirurg vergisst eine Schere im Bauch des Patienten.
    Ein dämlicher Assistenzarzt verabreicht mal eben die zehnfache Morphindosis, weil er das Komma falsch setzt und die Schwester seine Handschrift nicht lesen kann.
    Ein größenwahnsinniger und dabei gleichzeitig kleinkariert geiziger Chefarzt verzichtet auf Desinfektionsmittel und ordert stattdessen den Gebrauch von Zitronensaft an:
    Alle paar Jahre wieder schafft es ein derart handfester Medizinskandal in die Schlagzeilen.
    Und was passiert?
    In früheren Zeiten wurde ein Übeltäter bei derartigen Gelegenheiten öffentlich geteert, gefedert, gevierteilt und gehängt. Aber die Justiz ist ja heutzutage viel zu lasch geworden. Vor allem muss ein vermeintlich geschädigter Patient dem Arzt ja erstmal sein Fehlverhalten nachweisen können: und da dieses Ärztepack zusammenhält wie Pech und Schwefel und eine Krähe der Anderen kein Auge hat, hat man schlechte Karten.
    Eine Umkehrung der Beweislast muss her!
    Ein Patient, der glaubt, zu Schaden gekommen zu sein, kann den Arzt schon einmal vorsorglich auf ein paar Millionen Euro Schadensersatz verklagen und der Arzt muss dann nachweisen, dass er doch nicht falsch gehandelt hat.
    Besser so? Irgendwo jenseits des großen Meeres soll es ein Land geben (der Name ist mir leider gerade entfallen), so es so ähnlich funktioniert.
    Und weil drüben alles besser ist, diskutiert man jetzt, auch hierzulande ein Gesetz einzuführen, welches den Patienten mehr Rechte bietet.
    Das klingt gut und bringt Wählerstimmen.
    Und die steigenden Haftpflichtversicherungsprämien von uns Ärzten – die legen wir halt auf unsere Honorare um. Und wenn wirklich mal etwas falsch laufen sollte – dann darf es bloß keiner merken, also alles unter den Teppich kehren und stillschweigen. Eine offene Fehlerkultur sieht anders aus…

    Geschrieben von medizynicus

    17. Januar 2012 um 11:40

    Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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